Bosselverein Südbund Reinsbüttel

Die Männermannschaft bei einem Feldkampf

Was ist Boßeln ?

Da das Boßeln weitestgehend ein unbekanntes Dasein führt und kein Grund für Spekulation geliefert werden soll, wird hier erstmal unverblümt Aufklärung betrieben, was es mit dem Boßeln auf sich hat.

Damit sich der Besucher dieser Seite ein erstes Bild vom Boßeln machen kann, wird zunächst aus dem Buch „Die Marschmenschen“ von Axel Marquard (erschienen 1997 im RAKE Verlag, Rendsburg) zitiert, in dem er die Marschbewohner gehörig auf die Schippe nimmt. Im Kapitel „Sport und Spiel“ kann man Folgendes lesen:

……..Das, was gemeinhin als ein Spiel namens Boßeln bekannt ist, ist nichts anderes als der Versuch, fremde Steine oder andere Gegenstände zurück über den Deich zu werfen. Folgende Situation: Der Marschmensch steht also frontal vor dem Deich, peilt ihn an und wirft einen Stein. Natürlich schafft er es nicht, denn er kann ja nicht geradeaus werfen. Der Stein fliegt also parallel zum Deich davon und fällt nach ein paar Metern wieder in den Kleiboden. Das ärgert den Marschmenschen natürlich; er stampft hinter dem Stein her und versucht es auf ein Neues. Wieder nichts. Und wieder nichts und so weiter, bis die Dämmerung hereinbricht. Im Verlauf dieser Versuche steigert sich die Wut des Marschmenschen von Mal zu Mal. Er brüllt und heult schließlich vor Enttäuschung und Erbitterung, dass es weit übers Marschenland hallt; ein eindrucksvolles Geräusch, das die Forschung gleichwohl bisher für Rufe der Begeisterung über ein gelungenes und befriedigendes Spiel gehalten haben. Wie sich Forscher doch irren können.

Varianten des Boßelns

In vielen Ländern wird geboßelt bzw. artverwandter Sport betrieben. Bei den Boßeleuropameisterschaften in Meldorf / Dithmarschen im Jahre 2000 nahmen neben Schleswig-Holsteinern und Ostfriesen auch Verbände aus Irland, den Niederlanden und Italien teil. Delegation der USA und aus Spanien waren ebenfalls zugegen um sich ein Bild von den hiesigen Boßeltechniken zu machen.

Das Wurfgerät (eine Kugel von unterschiedlicher Größe und Gewicht) und die Wurftechnik (normaler Wurf, Schleuderwurf, rollen entlang einer Straße, Abwurf von einer Rampe) sind in jedem Verband sehr verschieden. Die Spielart, die in Schleswig-Holstein hauptsächlich angewandt wird, wird folgendermaßen beschrieben:

Anlaufen (etwa 10 bis 20 Meter), anschließend ganze Drehung an der Abwurfmarke und Schleudern der Kugel, wobei die Geschwindigkeit des Anlaufes und der Drehschwung ausgenutzt werden.

Die hierbei verwendeten Kugeln sind bleigefüllte Holzkugeln und wiegen 375 Gramm (Kinder, Jugendliche bis 18 Jahre und Frauen) bzw. 500 Gramm ( für Männer) .

Besonders beliebt sind hierzulande die schon erwähnten Feldkämpfe, wobei jene Mannschaft gewinnt, die die größte Entfernung zurücklegt. In der Regel treten zwei Mannschaften in einer Stärke von jeweils 20 – 30, gelegentlich auch mit 40 Werfern gegeneinander an. Alte Haudegen wissen von einem Feldkampf aus den 50er oder 60er Jahren zu berichten, bei dem sage und schreibe 301 Boßler auf jeder Seite mitwarfen.

Dass das eine tagfüllende Angelegenheit ist, kann sich jeder vorstellen. Neben dem Feldkampf, bei dem mehrere Kilometer zurückgelegt werden, weil von dem Punkt weitergeboßelt wird, wo die Kugel des Vorwerfers liegengeblieben ist, gibt es noch das sogenannte Standboßeln.

Hierbei wird ein Wurfstand mit Entfernungsmesstafeln und Seitenbegrenzung aufgebaut, auf dem jeder Boßler ähnlich wie beim Speer- oder Diskuswerfen eine Wurfserie zu absolvieren hat. Gewöhnlich hat der Boßler vier Versuche, von denen die besten Drei, die innerhalb der Seitenbegrenzung gelandet sind, addiert werden. 

Bei größeren Standboßelmeisterschaften muss eine gewisse Sollweite erreicht werden, die bei einem 20-29 jährigen 180 Meter in drei Würfen beträgt. Der Rekordhalter, der übrigens aus Bargenstedt / Dithmarschen stammt, hat die Boßel schon auf Weiten von über 100 Meter pro Wurf geschleudert.